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Welche Gesetze regeln die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege?

Die Pflege ist ein komplexes Thema. Es sind einige gesetzlicher Regelungen zu beachten. Wir geben Ihnen einen Überblick, damit Sie sich schnell mit den für Sie neuen Begriffen vertraut machen, um Beruf und Pflege optimal zu organisieren. Wir beraten Sie kompetent bei allen Fragen um die Ausgestaltung der Pflege und entwickeln mit Ihnen einen Lösungsweg, Beruf und Pflege zu vereinbaren.

Wer kann die kurzzeitige Arbeitsverhinderung, Pflegezeit und Familienpflegezeit in Anspruch nehmen?

Der Rechtsanspruch auf akute Arbeitsverhinderung Pflegezeit oder Familienpflegezeit und somit auf Fernbleiben von der Arbeit und auf Freistellungen gilt für die Pflege naher Angehöriger. Dazu gehören Großeltern und Eltern, Schwiegereltern, Ehegatten oder Partnern in einer eheähnlichen Gemeinschaft, Stiefeltern, Schwägerinnen und Schwager sowie Partner in lebenspartnerschaftsähnlichen Gemeinschaften, Geschwister, Kinder, Adoptiv- oder Pflegekinder des Ehegatten oder Lebenspartners sowie Schwieger- und Enkelkinder.

Welches Ziel verfolgt das Pflegezeitgesetzes (PflegeZG)?

Arbeitnehmern soll die Pflege ihrer naheliegenden Angehörigen in häuslicher Umgebung erleichtert werden, um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu ermöglichen.

Was tue ich, wenn ein Pflegefall eintritt?

Wenn Ihr Angehöriger plötzlich zum Pflegefall wird, können Sie sich bis zu zehn Tage freistellen lassen, dies nennt sich kurzzeitige Arbeitsverhinderung, (§2 PflegeZG), um eine bedarfsgerechte Pflege oder pflegerische Versorgung sicherzustellen. Mitarbeitern der Merck KGAa stehen im Rahmen der Betriebsvereinbarung ab dem 1.07.2017 weitere fünf Freistellungstage zur Verfügung. Informieren Sie unverzüglich Ihren Arbeitgeber. Während der Pflegezeit stehen Sie unter Kündigungsschutz. Ihre soziale Absicherung – Kranken-, Pflege-, Arbeitslosen- und Rentenversicherung – bleibt bestehen.

Was ist das Pflegeunterstützungsgeld?

Wenn Sie die kurzzeitige Arbeitsverhinderung nehmen wollen, haben Sie für bis zu zwei Arbeitstage Anspruch auf Fortzahlung der Vergütung. Die restlichen acht Tage zahlt die Pflegekasse des Pflegebedürftigen ein Pflegeunterstützungsgeld in Höhe von 90 bis 100 Prozent des wegfallenden Nettoverdienstes als Pflegeunterstützungsgeld.

Wie kann ich meinen Angehörigen längerfristig pflegen?

Wollen Sie Ihren Angehörigen in häuslicher Umgebung längerfristig pflegen, steht Ihnen eine gesetzliche Pflegezeit zu. Sie können sich vollständig oder teilweise durch den Arbeitgeber bis zu sechs Monate lang freistellen lassen (§3 PflegeZG) . Es gibt aber keinen Anspruch auf Entgeltfortzahlung. Eine Ankündigungsfrist von zehn Tagen ist nötig. Während der Pflegezeit stehen Sie unter Kündigungsschutz (höchstens jedoch zwölf Wochen vor Beginn).

Wenn Sie sich für eine Freistellung im Rahmen der Pflegezeit entscheiden, kann der Verdienstausfall mit einem zinsfreien Darlehen vom Staat abgefedert werden. Dieses Darlehen können Sie beim Bundesamt für Familie und zivilfesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) beantragen.

Um die Pflegezeit in Anspruch zu nehmen, müssen Sie:

  • eine Bescheinigung von der Pflegekasse über den Pflegegard Ihres Angehörigen vorlegen.
  • zehn Tage vor Beginn der Pflegezeit Ihrem Arbeitgeber Dauer und Umfang schriftlich ankündigen.
  • bei einer teilweisen Freistellung eine schriftliche Vereinbarung mit dem Arbeitgeber treffen.

Wozu dient das zinslose Darlehen?

Seit Anfang 2015 können Sie ein zinsloses Darlehen erhalten um den Gehaltsausfall abzufedern. Dieses Darlehen können sie beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgabe (BAFzA) beantragen. Es wird monatlich in Raten ausgezahlt und deckt die Hälfte des fehlenden Nettogehalts ab. Nach Ablauf der vereinbarten Pflegezeit zahlen Sie das Darlehen in Raten zurück. In Härtefällen kann die Rückzahlung verschoben, teilweise oder voll erlassen werden.

Welches Ziel verfolgt das Familienpflegezeitgesetz (FPfZG)?

Seit dem 1. Januar 2015 gilt ein Rechtsanspruch auf Familienpflegezeit. Die Arbeitszeit kann bis zu zwei Jahre lang auf 15 Stunden pro Woche reduziert werden. Die gesetzliche Pflegezeit und die Familienpflegezeit kann kombiniert werden bis zu maximal 24 Monaten. Im Rahmen der Betriebsvereinbarung wird die Höchstdauer der Familienpflegezeit für Mitarbeiter der KGaA auf 48 Monate ausgeweitet.

Es gibt aber keinen Anspruch auf Entgeltfortzahlung. Eine Ankündigungsfrist von acht Wochen ist nötig. Während der Familienpflegezeit stehen Sie unter Kündigungsschutz (höchstens jedoch zwölf Wochen vor Beginn). Wie im Pflegezeitgesetz haben Sie einen Anspruch auf ein zinsloses Darlehen.

Um die Familienpflege in Anspruch zu nehmen, müssen Sie:

  • eine Bescheinigung von der Pflegekasse über einen Pflegegrad Ihres Angehörigen vorlegen.
  • acht Wochen vor Inanspruchnahme Ihrem Arbeitgeber die Familienpflegezeit ankündigen.
  • mit ihrem Arbeitgeber schriftlich die Regeln vereinbaren über Dauer und Umfang der Freistellung, die Rückkehr zur alten Wochenarbeitszeit sowie das Gehalt und die Aufstockung des Ausgleichs.

Wie kann ich minderjährige, pflegebedürftige naher Angehöriger betreuen?

Für die Betreuung minderjähriger Angehöriger, auch in außerhäuslicher Umgebung, gibt es die Möglichkeit einer teilweisen oder vollständigen Freistellung. Die Familienpflegezeit setzt eine Pflegebedürftigkeit voraus. Eine schwere Krankheit allein führt nicht zu einem Anspruch auf Freistellung.

Wie kann ich einen Angehörigen in dessen letzter Lebensphase begleiten?

Wollen Sie einen pflegebedürftigen nahen Angehörigen auf seinem letzten Weg begleiten, können Sie eine bis zu dreimonatige vollständige oder teilweise Auszeit nehmen. Das gilt auch, wenn sich Ihr Angehöriger in einem Hospiz befindet. Das zinslose Darlehen kann auch für diese Zeit in Anspruch genommen werden. Eine Ankündigungsfrist von zehn Tagen ist nötig. Der Kündigungsschutz bleibt erhalten. 

Fragen?

Nehmen Sie unsere kostenlose Beratung in Anspruch! Telefon: 0331-23 18 79 40 

Downloads:

Infoblätter:

Infoblatt "Pflegezeitgesetzgebung"
Infoblatt "Zinsloses Darlehen"

Vorlagen:

Vorlage "Ankündigung Pflegezeit"
Vorlage "Ankündigung Begleitung in der letzten Lebensphase"
Vorlage "Ankündigung Familienpflegezeit"
Vorlage "Ärztliche Bescheinigung kurzzeitige Arbeitsverhinderung"
Vorlage "Ärztliche Bescheinigung Begleitung in der letzten Lebensphase"
Vorlage "Entgeldbescheinigung Beantragung Pflegeunterstützungsgeld"
Vorlage "Antrag Bewilligung eines zinslosen Darlehens"
Vorlage "Antrag Feststellung des Erlöschens der Darlehensschuld"
Vorlage "Antrag Stundung der Darlehensrückzahlung"
Vorlage "Antrag Teildarlehenserlass"
Vorlage "Entgeldbescheinigung Beantragung Zinsloses Darlehen"

Broschüren:

Broschüre des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend "Bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie"
Broschüre des Bundesministerium für Gesundheit "Alle Leistungen zum Nachschlagen - Die Pflegestärkungsgesetze"
Broschüre des Bundesministeriums für Gesundheit "Die Pflegestärkungsgesetze - Das Wichtigste im Überblick"