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Zusatzversicherungen

Die Pflegetagegeldversicherung

Die Pflegetagegeldversicherung dient der privaten Absicherung des Pflegerisikos. Versicherte erhalten als regelmäßige Zahlung ein Pflegetagegeld, das durch den Versicherungsnehmer festgelegt wird. Bei der Pflegetagegeldversicherung handelt es sich um eine private Pflegezusatzversicherung, die bei allen Anbietern von privaten Krankenversicherungen abgeschlossen werden kann. Sie ist ein reiner Risikotarif, d.h. im Gegensatz zur Pflegerentenversicherung, welche als private Lebensversicherung abgeschlossen wird, beinhaltet sie keinen Sparanteil. Eine Einmalauszahlung kann nicht vereinbart werden. Im Pflegefall wird monatlich eine vorher vereinbarte Summe ausgezahlt, welche dann in Eigenverantwortung verwaltet werden kann. Die Höhe der gezahlten Leistungen variiert stark zwischen den einzelnen Tarifen.

Für wen lohnt die Pflegetagegeldversicherung?

Experten raten dazu, eine Pflegetagegeldversicherung nur dann abzuschließen, wenn das Alter von 55 Jahren noch nicht überschritten wurde. Auch schwerwiegende Vorerkrankungen sollten nicht vorhanden sein. Darüber hinaus ist in der Pflegetagegeldversicherung mit steigenden Beiträgen zu rechnen. Wer sich also nicht sicher ist, die Beiträge zukünftig aufbringen zu können, sollte von dieser Police Abstand nehmen. In unflexiblen Verträgen ist es nur selten möglich, die Tarife ruhen zu lassen. Bei Nichtzahlung erlischt der Vertrag und eingezahlte Beiträge gehen verloren.

Die Pflegekostenversicherung

Im Pflegefall decken die gesetzlich zugesicherten Leistungen der Pflegepflichtversicherungen nur einen Teil der eigentlichen Pflegekosten. Die Restkosten können teilweise, z. B. durch eine Pflegekostenversicherung, ausgeglichen oder zumindest reduziert werden. Diese Sammelbezeichnung steht für eine ganze Reihe von Versicherungen, die eines gemeinsam haben: Der Versicherte erhält die tatsächlich anfallenden Pflegekosten erstattet (kein Tagegeld wie bei Pflegetagegeldversicherung). Dabei haben sich zwei grundlegende Modelle durchgesetzt: Entweder werden die gesetzlichen Pflegeleistungen um einen bestimmten Prozentsatz aufgestockt oder die anfallenden Restkosten werden ganz oder zum Teil übernommen, zumindest bis zum Erreichen einer Jahresobergrenze. Für die Erstattungen der Pflegekosten bei einer Pflegekostenversicherung müssen dem Versicherer alle vom Arzt attestierten Leistungen in Form einer Rechnung vorgelegt werden. Zu den übernommen Leistungen zählen die Pflege im ambulanten Bereich durch professionelle Pflegedienste oder Pflegehilfsmittel, die ganz oder zum Teil bezahlt werden. Bei Fahrten zu Ärzten, Krankenhäusern oder Tagespflegeeinrichtungen werden die Transportkosten übernommen. Im Bereich der stationären Pflege werden die Transport- und Pflegekosten erstattet. Die sogenannten „Hotelkosten“ in der stationären Pflege, z. B. das Essen oder die eigentliche Unterbringung, werden jedoch nicht übernommen.

Für wen lohnt die Pflegekostenversicherung?

Die Pflegekostenversicherung eignet sich ebenso wie die Pflegetagegeldversicherung für Menschen mit kleinerem Geldbeutel, ist aber wesentlich unflexibler als die Pflegetagegeldversicherung. Der Versicherte erhält keine direkten Zahlungen, die Kosten werden stattdessen gleich mit der Versicherung abgerechnet. Eine Selbstbestimmung über das Geld ist daher nicht möglich. In der Regel lohnt ein Abschluss nur für denjenigen, der weiß, dass er professionelle Hilfe in Anspruch nehmen möchte. Außerdem besteht die Gefahr der Überversicherung. Alle vereinbarten, aber nicht ausgeschöpften Leistungen verfallen in der Regel.

Die Pflegerentenversicherung

Eine Pflegerentenversicherung gewährt den Versicherten regelmäßige Rentenzahlungen, sobald eine Pflegebedürftigkeit auftritt. Dabei ist es unerheblich, ob die Pflege in speziellen Einrichtungen, zu Hause durch Pflegekräfte oder durch Angehörige erfolgt. Pflegerenten sind Pflegezusatzversicherungen, die ebenso wie Pflegetagebuchversicherungen zusätzlich zur gesetzlichen Pflegeversicherung abgeschlossen werden können und im Pflegefall die Leistungen zahlen. Anbieter für Pflegerenten sind private Lebensversicherer. Die Höhe der Leistung im Pflegefall hängt von dem attestierten Pflegegrad ab, jedoch nicht davon, wo der Pflegebedürftige versorgt wird. Die Pflegerente wird also auch gezahlt, wenn der Betroffene im häuslichen Umfeld gepflegt wird. Das monatlich ausgezahlte Geld ist dabei frei verfügbar, kann beispielsweise auch für indirekte Pflegeleistungen, wie eine Haushaltshilfe, genutzt werden.

Für wen lohnt die Pflegerentenversicherung?

Pflegerenten sind in der Regel deutlich teurer als Pflegetagegeldversicherungen, bieten aber einige Vorteile. Pflegerenten lassen sich deutlich flexibler gestalten. So können beispielsweise Beiträge leichter ausgesetzt werden. Außerdem zählt bei einer Pflegerente auch der Eintritt einer Demenz zum Versicherungsfall. Beachtet man die weite Verbreitung von Demenz in der Bevölkerung, ist dies von hohem Interesse. Bereits ab einer mittelschweren Demenz (Grundlage hierfür ist die Reisberg-Skala s.u.) zahlen die Versicherungen, meist gibt es dann die für Pflegegrad drei vereinbarte Summe. Ein weiterer Vorteil ist, dass mit Beginn der Pflegebedürftigkeit bei den Pflegerenten die Zahlung der Beiträge wegfällt. Im Fall des Todes des Versicherten, ohne dass die Pflegebedürftigkeit eingetreten ist, bekommen die Hinterbliebenen bei einigen Anbietern einen Teil der eingezahlten Beiträge ausgezahlt.

Was ist die Reisberg-Skala?

Die Reisberg-Skala stellt mithilfe bestimmter Symptome und Merkmale die Schwere des Auftretens der Alzheimer Krankheit fest. Dazu werden sieben Stufen unterschieden. Stufe 1 und 2 gehen mit keinen oder geringen kognitiven Leistungseinbußen einher, der sogenannten “Altersvergesslichkeit”. Stufe 3 und 4 entsprechen bereits einer leichten Demenz, Patienten können beispielsweise bestimmte Aufgaben des täglichen Lebens, wie Einkaufen oder Verreisen, nicht mehr allein bewältigen. Ab Stufe 5 spricht man von einer mittelschweren Demenz. Ab hier greifen meist die Pflegerentenversicherungen. Ab Stufe 6 wird eine schwere Demenz diagnostiziert, die beispielsweise mit Inkontinenz einhergeht. Bei Stufe 7 handelt es sich um eine sehr schwere Demenz, der Patient kann nicht mehr richtig sprechen und gehen.

Pflege-Bahr: staatliche Förderung nach dem Riester-Prinzip

Anfang 2013 wurde im Rahmen des Pflege-Neuausrichtungs-Gesetzes beschlossen, die private Absicherung des Pflegerisikos nach dem Vorbild der Riester-Rentenverträge finanziell zu fördern. Der Begriff „Pflege-Bahr“ hat sich aufgrund der maßgeblichen Initiative durch Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDB) für die staatlich subventionierte Pflegetageversicherung etabliert. Bis Ende 2012 sprach man von der sogenannten „Pflege Riester“. Wer die Pflege-Bahr Förderung erhalten möchte, muss eine Pflegetagegeldversicherung bei einem privaten Versicherer eigener Wahl abschließen. Eine Pflegekostenversicherung oder eine Pflegerentenversicherung kann hingegen nicht gefördert werden. Sofern die Pflege-Bahr Voraussetzungen vorliegen, werden monatlich 5 Euro oder jährlich 60 Euro in den privaten Pflegeversicherungsvertrag eingezahlt. Eine der wichtigsten Pflege-Bahr Voraussetzungen ist die Beitragshöhe. Sie muss monatlich bei mindestens 10 Euro oder jährlich bei mindestens 120 Euro liegen. Der Versicherer darf weder eine Gesundheitsprüfung, noch Risikozuschläge von seinem Versicherungsnehmer verlangen. Es dürfen keine Leistungsausschlüsse bei bestimmten Vorerkrankungen vorliegen. Der Versicherte muss mindestens 18 Jahre alt und Mitglied der gesetzlichen oder der privaten Pflegeversicherung sein. Außerdem darf er noch keine Leistungen aus der Pflegeversicherung in Anspruch genommen haben. Zu den Pflege-Bahr Voraussetzungen gehört nicht, dass die Beiträge und die Leistungen für alle Personen gleich sein müssen. Hier kann es bestimmte Unterschiede geben, die vom Eintrittsalter und vom Leistungsumfang abhängig gemacht werden.

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